בסיעתא דשמיא

An den ersten Tagen des Laubhüttenfestes: A prayer for the first days of Sukkot by Fanny Neuda (1855)

Image: Fanny Neuda – Stunden Der Andacht (1855) cover (cropped) by Aharon Varady for the Open Siddur Project (License: CC0)


As part of our ongoing project creating a new digital edition of Fanny Neuda’s collection of tkhines in German, Stunden Der Andacht (1855), we are setting her prayers (for the first time ever) side by side with that of her work’s first English translation, Hours of Devotion (1866) by Rabbi Moritz Mayer. In the comparison below it will be clear to readers of German that Rabbi Mayer took extreme liberties in his translation, omitting any explicit mention of the ritual of the sukkah and changing the entire tone of Neuda’s prayer. While Neuda’s original prayer for the first day of Sukkot present a tone of gratefulness for the apparent privileges enjoyed by German Jewry in German speaking lands, Mayer’s tone omits much and invokes a desperate plea for protection. (If you can translate German into English, please share a more accurate translation in the comments.)

An den ersten Tagen des Laubhüttenfestes[1]
[by Fanny Neuda]

Das Fest der Hütten sollst du feiern sieben Tage lang.[2]

Prayer for the First Day of Sukkot [an extremely inexact translation taking radical creative license, by Moritz Mayer]
Abermals ist ein Fest für uns eingetreten, ein Fest, ganz verschieden von dem, das wir erst jüngst begangen. Jenes feierten wir durch Thränen und Bußübungen, durch Kasteiung und Entbehrung, dieses feiern wir in Freuden mit Jubel und Lobgesängen, wie da geschrieben steht: „Und ihr sollt Euch freuen vor dem Ewigen, eurem Herrn, sieben Tage lang.“[3] Und wie sollte nicht Heiterkeit und Frohsinn unser Herz durchdringen, wie sollte nicht heilige Freude unsre Seele füllen, nachdem eben dieses Fest der Versöhnung vorangegangen, und nachdem du, mein Gott, genommen hast von uns unsre Schuld, und uns frei gemacht von unsern Sünden! Wie hätte das, vom Bewußtsein der Schuld gedrückte Gemüth sich einem Freudenstrahle erschließen können, wenn du nicht die versöhnende Hand uns gereicht, und unsern Namen nicht gelöscht hättest aus dem Buche der Schuld. Doch nicht nur versöhnt hast du uns, nicht nur die wohlverdiente Strafe unserm Haupte entnommen, sondern in Liebe und Freundlichkeit hast du dein Angesicht uns wieder zugewendet. Nicht wie der Herr dem Knechte verzeiht, sondern wie der gütige Vater sein reuig Kind wieder aufnimmt in seine Arme, es wieder legt an sein Herz, und es wieder hegt in Liebe und Erbarmen, also thust du, Allvater, an uns in deiner göttlichen Huld.Und so freuen wir uns denn und sind fröhlich vor dir, mein Gott, und mit frohem getröstetem Herzen betreten wir die festliche Hütte, die wir uns erbaut und geschmückt, deinem Gebote zu Ehren, und aus geläutertem Herzen steigt unser Gebet zu dir empor.

Lord, our God, and God of our forefathers! Graciously accept the thanks-offerings which with filial hearts we bring unto Thee in the festive commemoration of this day. Thou hast appointed this festival season, that we may rejoice thereon in the blessings which earth hath bestowed upon us in abundance, and, with firm confidence in Thy help, to banish from our bosoms all fainthearted fear and anxiety for further sustenance. Thou wiliest that man enjoy in gladness Thy gifts for the preservation of his body,—but also ennoble and sanctify his enjoyment by thinking of Thee, the Great Giver of all blessings, by attending to the wants of his imperishable and eternal part, in the remembrance of the high mission of his finite existence upon earth.— All-merciful God! Thy grace is without end, Thy mercy never ceases, every day, every hour is full of Thy loving-kindness; Thou blessest the fruit of our labors and providest all of which we stand in need. Thou bringest up from the dark ground the puny seed and causest it to grow unto thousand blessings. Often the weak heart of man trembles and asks: “Whence shall my help come?”[4] for we are not permitted to receive Thy gifts without toil and struggle, but we must with the sweat of our brow eat the bread that nourishes us. And even herein we acknowledge Thy paternal providence, that we may be guarded against foolish and vain pride, and be fortified in the recognition of our dependence upon Thine almighty protection. But they that trust in Thee shall not be put to shame! “There is no king saved by the multitude of his host, a mighty man is not delivered by the fullness of his strength, Thine eye is upon them that fear Thee and hope in Thy mercy, to deliver their soul from death, and to feed them in famine.”[5]
In Hütten feiern wir das Sukkotfest, gleich einem Nomadenvolk, gleich unsern Vätern in der Wüste, die während ihrer Wanderschaft in Hütten wohnten.

But we remember this day not alone the benefits which Thou hast bestowed upon us, the inhabitants of a flourishing, fertile Eden,—no! with unutterable gratitude we also remember that distant antiquity, when Thy wonderful guidance preserved our fathers in a dreary, barren wilderness.
Welch eine schöne Periode in dem Leben unseres Volkes war dies! – Groß durch deine Wunder und gesegnet durch deine Liebe, in der freien, offenen Natur zelteten unsere Väter, aber um sie und über sie schwebte deine Huld und schützte sie vor jedem lauernden Feind, vor jeder Gefahr und Noth; eine Wolkensäule war ihr Schutz am Tage, eine Feuersäule in der Nacht; zum frischen labenden Quell ward ihnen der dürre Fels, aus der Wolke senkte sich die Speise für sie herab, unversehrt wandelte ihr Fuß über den glühenden Boden, und ihr Gewand zerriß nicht, bis sie eintraten in das gelobte, gepriesene Land, das du ihnen zum Erbe und Eigenthum verheißen.

Beneath the protection of Thy tent Thou didst hide our wandering ancestors against the burning rays of the sun and raging storms. Thou didst refresh them with sprouting waters from rocks and causest streaming rains to descend. Thou didst open the gates of heaven and sent Manna from above for their nourishment,—corn from Thine exalted height.
Und hat nicht seitdem fort und fort deine göttliche Wunderkraft an uns sich offenbart? Hast du nicht fort und fort deiner Gnade Schirm und Obdach ausgespannt, und die Fittige deiner Huld ausgebreitet über die Häupter deines Volkes, wo Feindes Macht sie zu vernichten drohte! Seit Jahrtausenden ist Israel das Wandervolk auf Erden, gen Morgen und gen Abend zogen wir hin und überall ward der Boden unter uns eine heiße und glühende Wüste, jeder frische Quell ward für uns verschlossen; gebrechliche Hütten, nur wankend und unsicher waren unsre Wohnungen, die der Zeiten Unbill und der Völker Haß und Vorurtheil oft genug über unserm Haupte nieder- und zusammenrissen. „Nur deiner Gnade danken wir es, daß wir nicht untergingen.“[6] Deine Barmherzigkeit hat uns gehalten und getragen über Ströme und Fluthen, über jeden Abgrund, der uns zu verschlingen drohete. Und nun nach langer Wanderschaft hast du uns kosten lassen die Süßigkeit der Heimath! Dank dir, haben wir ein Vaterland gesunden, ein schönes, herrliches Land, das uns als seine Kinder anerkennt; die wandernde Hütte des Fremdlings, des Geduldeten hat sich in die feste bleibende Stätte des Einheimischen und Eingeborenen verwandelt, sicher und ungestört, wie Israel einst in dem Schatten seiner Palmen und Feigenbäume, ruhen wir unter dem Friedenszelt des Gesetzes, wie alle, unsere Brüder im Lande.

Drum sei gepriesen, Herr, für die Wunder, die du einst unsern Vätern erzeiget hast, und für die Wunder, die du uns, ihren Kindern, noch heute erzeigest! Du hast uns nicht verlassen und wirst uns nicht verlassen. Gepriesen und gebenedeiet sei dein heiliger Name. אָמֵן Amen. All this Thou didst for Thy people, for Thine elect. Withersoever we turn our eyes, we behold the shining testimonies of Thy mercy, filling us with joy and exultation. Yea, our souls hope in Thee! Thou art our Help, our Shield, our Redeemer! Our hearts rejoice in Thee, we confide in Thy holy name.—And thus, O God! let Thy mercy be ever over us, as we hope in Thee, now and evermore. אָמֵן Amen.

Notes:

  1. Das Suckoth- oder Laubhüttenfest beginnt am Abend des vierzehnten Tischri und dauert ursprünglich nach dem Gebote der Schrift acht, bei uns jedoch neun Tage. Die Bedeutung dieses Festes ist die Erinnerung an die wunderbare Erhaltung und Verpflegung unserer Voreltern während ihrer Wanderung durch die Wüste, wo sie in offenen, freien Zeiten wohnten. Es ist zugleich, da es im Herbste gefeiert wird, ein Dank- und Erntefest.
  2. Deuteronomy 16:13
  3. Leviticus 23:40
  4. Psalms 121:1
  5. Psalms 33:16
  6. Reference unknown
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